Der Stundenverrechnungssatz (kurz: SVS) ist die zentrale Kennzahl in der
Handwerker-Kalkulation. Er bildet den Preis pro Stunde, den du einem Kunden in Rechnung
stellen musst, um all deine Kosten zu decken und zusätzlich Gewinn zu erwirtschaften.
für Maler & Lackierer als Einzelunternehmer gibt es einige Besonderheiten, die oft übersehen werden.
Maler arbeiten oft saisonal: Frühling-Herbst hohe Auslastung, Winter weniger Außenaufträge. Plane diesen Schwanken-Effekt in der Jahreskalkulation ein.
Spezialisierungen (Naturfarben, Denkmalschutz, Industrieanstriche) erlauben höhere Stundensätze — 75-95 €/Std.
Die Grundformel
SVS = (Unternehmerlohn + Lohnnebenkosten + Betriebskosten) × (1 + Gewinnzuschlag)
÷ produktive Jahresstunden 1. Unternehmerlohn
Der Unternehmerlohn ist das, was du als Geschäftsinhaber für dich selbst
verdienen willst — und zwar brutto, also vor Einkommensteuer. Viele Handwerker setzen
hier viel zu wenig an, weil sie nur ihren Netto-Wunsch im Kopf haben. Faustregel: Wenn du
3.000 € netto pro Monat willst, musst du bei rund 42.000-45.000 € Brutto-Jahresgehalt landen.
Der Unterschied ist die Einkommensteuer (14-42 %, progressiv).
2. Lohnnebenkosten (bei dir selbst)
Als Angestellter zahlt dein Arbeitgeber die Hälfte der Sozialabgaben — als Selbstständiger
trägst du alles selbst:
- Krankenversicherung: freiwillig gesetzlich ca. 400-600 €/Monat, privat stark variabel
- Rentenversicherung: optional (Rürup-Rente, Basisrente, ETF-Sparpläne)
- Unfallversicherung / Berufsgenossenschaft: für Handwerker Pflicht
- Pflegeversicherung: an KV gekoppelt
Lohnnebenkosten summieren sich für einen Einzelbetrieb schnell auf 8.000-14.000 €/Jahr.
3. Betriebskosten (Gemeinkosten)
Typische Kostenposten für Maler & Lackierer:
- Fahrzeug: Transporter inkl. Leitergestell ≈ 4.500-7.500 €/Jahr
- Werkzeug & Maschinen: Airless-Spritzgerät, Leitern, Schleifmaschinen, Rollen/Pinsel ≈ 1.500-3.500 €/Jahr
- Abdeckmaterial: Malervlies, Folie, Klebeband — Verbrauchsmaterial ≈ 500-1.500 €/Jahr
- Büro & Werkstatt: Miete, Strom, Mischplatz ≈ 2.000-4.500 €/Jahr
- Software & Administration: Angebotssoftware, Steuerberater ≈ 1.500-3.000 €/Jahr
- Versicherungen: Haftpflicht (wichtig wegen Lack-/Farbschäden), Rechtsschutz ≈ 1.200-2.000 €/Jahr
- BG Bau & Weiterbildung: Pflichtbeiträge, Gesundenuntersuchungen ≈ 800-1.500 €/Jahr
4. Produktive Stunden pro Jahr
Hier machen viele Handwerker den entscheidenden Denkfehler. 365 Tage × 8 Stunden = 2.920 —
die rechnen aber niemals kostendeckend. Realität:
- 365 Tage − 104 Wochenenden − 30 Urlaub − 10 Krankheit − 10 Feiertage = ~211 Arbeitstage
- Von 8 Stunden am Tag sind typischerweise nur 5-6 Stunden verrechenbar — der Rest: Anfahrt, Angebote, Material, Büro
- Realistisch: 1.200-1.500 produktive Stunden pro Jahr
5. Gewinnzuschlag
Der Gewinnzuschlag (10-20 %) ist kein Luxus. Er deckt:
- Rücklagen für unvorhergesehene Ausfälle (Krankheit, Zahlungsausfall)
- Investitionen in bessere Werkzeuge und Maschinen
- Wachstum: später vielleicht einen Gesellen einstellen
- Unternehmerisches Risiko — das du als Angestellter nicht hättest
Beispielrechnung Maler & Lackierer 2026
Einzelunternehmer, Wunsch-Nettogehalt 3.000 €/Monat,
Betriebskosten 14.000 €/Jahr,
freiwillige gesetzliche KV 450 €/Monat,
5 Stunden verrechenbar pro Tag, 220 Arbeitstage,
12 % Gewinnzuschlag:
- Brutto-Unternehmerlohn: ~43.000 €
- Krankenversicherung: 5.400 €
- Betriebskosten: 14.000 €
- Summe: 62.400 €
- Produktive Stunden: 5 × 220 = 1.100 h
- Mit 12 % Gewinn: ~63 €/Std. netto
- Brutto für Kunden (+19 % USt): ~75 €/Std.
Wer bei 45 €/Std. bleibt, verliert bei dieser Kalkulation rund 19.800 € pro Jahr —
nicht, weil er „zu wenig verdient", sondern weil seine eigentlichen Kosten nicht gedeckt sind.