Der Stundenverrechnungssatz (kurz: SVS) ist die zentrale Kennzahl in der
Handwerker-Kalkulation. Er bildet den Preis pro Stunde, den du einem Kunden in Rechnung
stellen musst, um all deine Kosten zu decken und zusätzlich Gewinn zu erwirtschaften.
für Trockenbauer als Einzelunternehmer gibt es einige Besonderheiten, die oft übersehen werden.
Aufbauzeit auf der Baustelle (Gerüst holen, Material einschleppen, Schutzfolie legen) frisst 0,5-1 Stunde pro Tag — nicht alle Anfahrten sind gleich.
Spezialisierungen (Brandschutz, Akustikdecken, Schallschutzwände) sind gut bezahlt — Stundensätze von 65-85 €/Std.
Die Grundformel
SVS = (Unternehmerlohn + Lohnnebenkosten + Betriebskosten) × (1 + Gewinnzuschlag)
÷ produktive Jahresstunden 1. Unternehmerlohn
Der Unternehmerlohn ist das, was du als Geschäftsinhaber für dich selbst
verdienen willst — und zwar brutto, also vor Einkommensteuer. Viele Handwerker setzen
hier viel zu wenig an, weil sie nur ihren Netto-Wunsch im Kopf haben. Faustregel: Wenn du
3.000 € netto pro Monat willst, musst du bei rund 42.000-45.000 € Brutto-Jahresgehalt landen.
Der Unterschied ist die Einkommensteuer (14-42 %, progressiv).
2. Lohnnebenkosten (bei dir selbst)
Als Angestellter zahlt dein Arbeitgeber die Hälfte der Sozialabgaben — als Selbstständiger
trägst du alles selbst:
- Krankenversicherung: freiwillig gesetzlich ca. 400-600 €/Monat, privat stark variabel
- Rentenversicherung: optional (Rürup-Rente, Basisrente, ETF-Sparpläne)
- Unfallversicherung / Berufsgenossenschaft: für Handwerker Pflicht
- Pflegeversicherung: an KV gekoppelt
Lohnnebenkosten summieren sich für einen Einzelbetrieb schnell auf 8.000-14.000 €/Jahr.
3. Betriebskosten (Gemeinkosten)
Typische Kostenposten für Trockenbauer:
- Fahrzeug: Transporter mit Materialaufbau ≈ 4.500-7.000 €/Jahr (Rigips und Profile brauchen Volumen)
- Akkuwerkzeug: Akkuschrauber, Schlagschrauber, Ladegeräte + Ersatzakkus ≈ 1.500-3.000 €/Jahr
- Spezialwerkzeug: Rigipsmesser, Schleifgiraffe, Lasermesser, Bolzenschussgerät ≈ 1.000-2.500 €/Jahr
- Kleinmaterial: Schrauben, Dübel, Fugenspachtel, Klebeband — Verbrauchsmaterial ≈ 1.000-2.000 €/Jahr
- Büro & Lager: Miete, Strom, Kleinteile-Regal ≈ 1.800-4.000 €/Jahr
- Software & Administration: Rechnungssoftware, Steuerberater ≈ 1.500-3.000 €/Jahr
- Versicherungen: Haftpflicht, Rechtsschutz, BG Bau ≈ 1.500-2.500 €/Jahr
4. Produktive Stunden pro Jahr
Hier machen viele Handwerker den entscheidenden Denkfehler. 365 Tage × 8 Stunden = 2.920 —
die rechnen aber niemals kostendeckend. Realität:
- 365 Tage − 104 Wochenenden − 30 Urlaub − 10 Krankheit − 10 Feiertage = ~211 Arbeitstage
- Von 8 Stunden am Tag sind typischerweise nur 5-6 Stunden verrechenbar — der Rest: Anfahrt, Angebote, Material, Büro
- Realistisch: 1.200-1.500 produktive Stunden pro Jahr
5. Gewinnzuschlag
Der Gewinnzuschlag (10-20 %) ist kein Luxus. Er deckt:
- Rücklagen für unvorhergesehene Ausfälle (Krankheit, Zahlungsausfall)
- Investitionen in bessere Werkzeuge und Maschinen
- Wachstum: später vielleicht einen Gesellen einstellen
- Unternehmerisches Risiko — das du als Angestellter nicht hättest
Beispielrechnung Trockenbauer 2026
Einzelunternehmer, Wunsch-Nettogehalt 3.000 €/Monat,
Betriebskosten 13.000 €/Jahr,
freiwillige gesetzliche KV 450 €/Monat,
5 Stunden verrechenbar pro Tag, 220 Arbeitstage,
12 % Gewinnzuschlag:
- Brutto-Unternehmerlohn: ~43.000 €
- Krankenversicherung: 5.400 €
- Betriebskosten: 13.000 €
- Summe: 61.400 €
- Produktive Stunden: 5 × 220 = 1.100 h
- Mit 12 % Gewinn: ~62 €/Std. netto
- Brutto für Kunden (+19 % USt): ~73,8 €/Std.
Wer bei 45 €/Std. bleibt, verliert bei dieser Kalkulation rund 18.700 € pro Jahr —
nicht, weil er „zu wenig verdient", sondern weil seine eigentlichen Kosten nicht gedeckt sind.