Der Stundenverrechnungssatz (kurz: SVS) ist die zentrale Kennzahl in der
Handwerker-Kalkulation. Er bildet den Preis pro Stunde, den du einem Kunden in Rechnung
stellen musst, um all deine Kosten zu decken und zusätzlich Gewinn zu erwirtschaften.
für Zimmerer & Holzbauer als Einzelunternehmer gibt es einige Besonderheiten, die oft übersehen werden.
BG Bau verlangt für Zimmerer (wie Dachdecker) deutlich höhere Beiträge wegen Höhenarbeit-Risiko — Pflicht, nicht verhandelbar.
Wetterabhängigkeit: 15-25 % der Arbeitstage gehen durch Regen, Sturm, Frost verloren. Rechne mit 200-210 produktiven Tagen, nicht 220.
Holzrahmenbau (Hausbau in Holzbauweise) und Modulbau sind Wachstumsmärkte 2026 — Stundensätze 75-95 € üblich, mit langen Auftragsbüchern und planbarer Auslastung.
Die Grundformel
SVS = (Unternehmerlohn + Lohnnebenkosten + Betriebskosten) × (1 + Gewinnzuschlag)
÷ produktive Jahresstunden 1. Unternehmerlohn
Der Unternehmerlohn ist das, was du als Geschäftsinhaber für dich selbst
verdienen willst — und zwar brutto, also vor Einkommensteuer. Viele Handwerker setzen
hier viel zu wenig an, weil sie nur ihren Netto-Wunsch im Kopf haben. Faustregel: Wenn du
3.000 € netto pro Monat willst, musst du bei rund 42.000-45.000 € Brutto-Jahresgehalt landen.
Der Unterschied ist die Einkommensteuer (14-42 %, progressiv).
2. Lohnnebenkosten (bei dir selbst)
Als Angestellter zahlt dein Arbeitgeber die Hälfte der Sozialabgaben — als Selbstständiger
trägst du alles selbst:
- Krankenversicherung: freiwillig gesetzlich ca. 400-600 €/Monat, privat stark variabel
- Rentenversicherung: optional (Rürup-Rente, Basisrente, ETF-Sparpläne)
- Unfallversicherung / Berufsgenossenschaft: für Handwerker Pflicht
- Pflegeversicherung: an KV gekoppelt
Lohnnebenkosten summieren sich für einen Einzelbetrieb schnell auf 8.000-14.000 €/Jahr.
3. Betriebskosten (Gemeinkosten)
Typische Kostenposten für Zimmerer & Holzbauer:
- Fahrzeug & Anhänger: Pritschenwagen + Anhänger oder Kran für Holzelemente ≈ 6.000-10.000 €/Jahr
- Werkstatt: Lager- und Vorfertigungsfläche, Strom, Heizung ≈ 3.000-6.000 €/Jahr
- Spezialwerkzeug: Nagler, Kettensäge, Akku-Säbelsäge, Schleifmaschinen, Bohrhammer ≈ 1.800-3.500 €/Jahr
- Sicherheitsausrüstung: Auffanggurte, Seile, Anschlagpunkte, jährlich geprüft (Pflicht!) ≈ 1.000-2.000 €/Jahr
- Holz- und Materiallager: Konstruktionsvollholz, Brettschichtholz, Plattenmaterial ≈ 2.500-5.000 €/Jahr
- Software & Administration: CAD-Holzbau (z. B. Cadwork, hsbCAD), Steuerberater ≈ 2.000-4.500 €/Jahr
- Versicherungen: Haftpflicht, Rechtsschutz, BG Bau (bei Zimmerern hoch!) ≈ 2.200-4.000 €/Jahr
- Weiterbildung & Zertifikate: Holzrahmenbau, Sachkundenachweis Brandschutz ≈ 500-1.500 €/Jahr
4. Produktive Stunden pro Jahr
Hier machen viele Handwerker den entscheidenden Denkfehler. 365 Tage × 8 Stunden = 2.920 —
die rechnen aber niemals kostendeckend. Realität:
- 365 Tage − 104 Wochenenden − 30 Urlaub − 10 Krankheit − 10 Feiertage = ~211 Arbeitstage
- Von 8 Stunden am Tag sind typischerweise nur 5-6 Stunden verrechenbar — der Rest: Anfahrt, Angebote, Material, Büro
- Realistisch: 1.200-1.500 produktive Stunden pro Jahr
5. Gewinnzuschlag
Der Gewinnzuschlag (10-20 %) ist kein Luxus. Er deckt:
- Rücklagen für unvorhergesehene Ausfälle (Krankheit, Zahlungsausfall)
- Investitionen in bessere Werkzeuge und Maschinen
- Wachstum: später vielleicht einen Gesellen einstellen
- Unternehmerisches Risiko — das du als Angestellter nicht hättest
Beispielrechnung Zimmerer 2026
Einzelunternehmer, Wunsch-Nettogehalt 3.100 €/Monat,
Betriebskosten 17.500 €/Jahr,
freiwillige gesetzliche KV 470 €/Monat,
5 Stunden verrechenbar pro Tag, 205 Arbeitstage,
14 % Gewinnzuschlag:
- Brutto-Unternehmerlohn: ~44.500 €
- Krankenversicherung: 5.640 €
- Betriebskosten: 17.500 €
- Summe: 67.640 €
- Produktive Stunden: 5 × 205 = 1.025 h
- Mit 14 % Gewinn: ~73 €/Std. netto
- Brutto für Kunden (+19 % USt): ~86,9 €/Std.
Wer bei 45 €/Std. bleibt, verliert bei dieser Kalkulation rund 26.700 € pro Jahr —
nicht, weil er „zu wenig verdient", sondern weil seine eigentlichen Kosten nicht gedeckt sind.