Handwerk im Rems-Murr-Kreis: Wie digital sind 806 Betriebe?
Wer im Rems-Murr-Kreis einen Elektriker, eine Bäckerei oder einen Dachdecker sucht, fängt fast immer gleich an: Handy raus, Google Maps auf, Profil antippen, Website öffnen, anrufen. Genau diesen Weg haben wir Ende September 2026 für 806 Handwerksbetriebe aus Waiblingen, Fellbach, Schorndorf, Backnang, Winnenden und Weinstadt nachvollzogen — Schritt für Schritt, so wie ihn ein Kunde auf dem Smartphone erlebt.
Die kurze Antwort vorweg: Das Handwerk im Rems-Murr-Kreis ist bei Google gut sichtbar, aber schlecht vorbereitet auf den nächsten Schritt. Die Betriebe sind bei Google sehr gut bewertet (Median: 4,9 Sterne, drei von vier haben 4,5 Sterne oder mehr). Aber jeder vierte Betrieb (26 %) hat keine eigene Website, und bei jedem fünfzehnten Betrieb, dessen Profil auf eine eigene Website verlinkt, führt der Link ins Leere — in sechs Fällen sogar zu Casino-Werbung, VPN-Reklame oder Spam-Seiten. Ein Drittel der Websites (31 %) lädt Google-Dienste, bevor der Besucher irgendetwas erlaubt hat. Und in unserer Stichprobe antworten zwei Drittel der Betriebe (65 %) auf keine einzige ihrer neuesten Bewertungen.
Das ist kein Vorwurf. Viele Betriebe haben volle Auftragsbücher, und die Website war für die meisten nie das Kerngeschäft. Aber jede dieser Lücken kostet leise Anfragen — und fast alle lassen sich an einem Nachmittag schließen. Diese Studie zeigt, wo das Handwerk in der Region steht, in welchen Gewerken es am meisten hakt, und gibt dir am Ende einen Selbstcheck für deinen eigenen Betrieb.
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Das Wichtigste in 60 Sekunden
Geprüft wurden 806 Handwerksbetriebe mit Google-Profil aus den sechs Großen Kreisstädten des Rems-Murr-Kreises, 593 verlinkte eigene Websites (davon 553 funktionierende Firmen-Websites, vollständig ausgewertet) sowie 1.889 Google-Bewertungen einer Stichprobe von 110 Betrieben.
| Befund | Anteil | Basis |
|---|---|---|
| Keine eigene Website (gar keine, nur Branchenportal oder nur Social Media) | 26 % | 806 Betriebe |
| Website-Link im Google-Profil defekt, Baustellen-Seite oder fremde Seite | 7 % | 593 Betriebe mit Link auf eine eigene Domain |
| Website verbindet sich vor jeder Einwilligung mit Google-Servern | 31 % | 553 Websites |
| Kein Anruf-Link (tel:) auf der Startseite | 48 % | 553 Websites |
| Keine Firmendaten für Google und KI hinterlegt (Schema.org) | 67 % | 553 Websites |
| ©-Jahr im Footer 2023 oder älter | 30 % | 257 Websites mit Jahresangabe |
| Kein Link zu Jobs oder Ausbildung auf der Startseite | 66 % | 553 Websites |
| Keine Antwort auf eine einzige der neuesten Bewertungen | 65 % | 110 Betriebe (Stichprobe) |
| Schlechte Bewertungen (1–2 Sterne) ohne Antwort | 73 % | 92 Bewertungen |
| Keine Öffnungszeiten im Google-Profil | 25 % | 806 Betriebe |
Die Zahlen gelten für Betriebe, die bei Google Maps überhaupt auftauchen. Wer dort gar nicht gelistet ist, fehlt in der Stichprobe — der tatsächliche Anteil ohne eigene Website ist also eher größer als kleiner.
Warum wir 806 Betriebe angeschaut haben
Lomageek sitzt in Winnenden und baut Websites für Handwerksbetriebe. Im Alltag hören wir oft zwei Sätze: „Wir haben genug Arbeit, eine Website brauchen wir nicht“ und „Die Website hat mein Neffe gemacht, die läuft schon“. Beide Sätze können stimmen. Aber wir wollten wissen, wie es tatsächlich aussieht — nicht bei einzelnen Kunden, sondern in der Breite der Region.
Bundesweite Studien zur Digitalisierung im Handwerk gibt es einige. Sie arbeiten meist mit Umfragen: Betriebe schätzen selbst ein, wie digital sie sind. Wir haben den umgekehrten Weg gewählt und gemessen statt gefragt: öffentliche Google-Profile, öffentliche Websites, öffentliche Bewertungen. Keine Selbstauskunft, keine Schönfärberei. Im ganzen Rems-Murr-Kreis gibt es laut Kreishandwerkerschaft rund 5.300 Betriebe aus Handwerk und handwerksähnlichem Gewerbe. Unsere 806 Betriebe aus sechs Städten und 14 Gewerken sind also ein ordentlicher Ausschnitt — etwa jeder siebte Betrieb im Landkreis.
Wichtig: Diese Studie nennt keine einzelnen Betriebe. Es geht um das Bild der Region, nicht darum, jemanden vorzuführen. Alle Werte sind Anteile über viele Betriebe hinweg.
Befund 1: Jeder vierte Betrieb hat keine eigene Website
Von 806 Betrieben haben 213 keine eigene Website — das sind 26 %. Dahinter stecken drei verschiedene Situationen:
- 17 % haben im Google-Profil gar keinen Website-Link.
- 8 % verlinken statt auf eine eigene Seite auf ein Branchenportal — Seiten wie Werkstatt- oder Handwerkerverzeichnisse, auf denen der Betrieb einer von Hunderten ist.
- 1 % verlinkt nur auf ein Instagram- oder Facebook-Profil.
Die Unterschiede zwischen den Gewerken sind groß
| Gewerk | Betriebe | Ohne eigene Website | davon gar keine | davon nur Portal/Social |
|---|---|---|---|---|
| Bau & Ausbau (Maler, Dachdecker, Fliesenleger, Schreiner, Zimmerer, Stuckateure, Metallbau, Bauunternehmen/Maurer) | 340 | 20 % | 13 % | 7 % |
| Elektro & SHK | 176 | 23 % | 11 % | 12 % |
| Kfz-Werkstätten | 89 | 37 % | 13 % | 24 % |
| Friseure | 113 | 37 % | 30 % | 7 % |
| Lebensmittelhandwerk (Bäcker, Metzger, Konditoren) | 88 | 35 % | 33 % | 2 % |
Bei Friseuren und im Lebensmittelhandwerk fehlt die Website am häufigsten ganz. Das ist nachvollziehbar: Wer einen Laden mit Laufkundschaft hat, lebt stärker vom Google-Profil und der Lage. Trotzdem fehlen dann Dinge, die ein Profil nicht leisten kann — Preisliste, Online-Termin, Bestellformular für Torten und Platten, Stellenanzeigen.
Portal statt Website — vor allem bei Kfz-Werkstätten
Auffällig sind die Kfz-Werkstätten: Mehr als jede fünfte (22 %) verlinkt im Google-Profil auf ein Werkstattportal statt auf eine eigene Seite. Bei Elektro & SHK sind es 12 %. Solche Portale legen oft automatisch Einträge an und tragen sich teils selbst als „Website“ ins Profil ein. Für den Betrieb heißt das: Der Kunde klickt auf „Website“ und landet auf einer Seite, auf der gleich daneben die Konkurrenz steht. Das ist ungefähr so, als würde dein Firmenschild auf das Schaufenster des Nachbarn zeigen.
Wenn du dein Google-Profil schon länger nicht angeschaut hast: Prüf, was im Feld „Website“ steht. Vielleicht steht da gar nicht mehr, was du denkst. Warum das Google-Profil für Handwerker so viel wichtiger ist als die meisten glauben, steht ausführlich im Guide Bei Google gefunden werden als Handwerker.
Befund 2: Jeder 15. Link auf die eigene Website führt ins Leere — manche zu Casino-Werbung
Das war der Befund, mit dem wir am wenigsten gerechnet hatten. Von 593 Betrieben, deren Google-Profil auf eine eigene Domain verlinkt, funktioniert der Link bei 40 Betrieben (7 %) nicht so, wie er soll:
- 24 Links führen auf gar nichts: Die Domain existiert nicht mehr, der Server antwortet mit einem Fehler oder die Seite lädt nicht.
- 7 Links führen auf eine Baustelle: „Hier entsteht eine neue Homepage“, „Coming Soon“, „Website im Umbau“.
- 9 Links führen auf eine fremde Seite. Drei davon leiten zu Google weiter, sechs landen auf Seiten, die mit dem Betrieb nichts mehr zu tun haben: Glücksspiel-Seiten, VPN-Werbung und Spam-Verzeichnisse.
Wie passiert so etwas? Zwei Wege haben wir gesehen. Entweder ist die eigene Domain ausgelaufen und wurde weiterverkauft — etwa weil die Rechnung an eine alte E-Mail-Adresse ging oder der Neffe, der die Website gebaut hat, nicht mehr zuständig ist. Wer solche Domains aufkauft, nutzt die Besucher, die noch über alte Links kommen. Oder im Profil steht von vornherein eine fremde Adresse, die auf eine Werbe- oder Spam-Seite weiterleitet. Unter den betroffenen Betrieben sind auch gut besuchte mit weit über hundert Google-Bewertungen — also keine Karteileichen, sondern Betriebe, deren Kunden täglich auf diesen Link tippen.
Für den Betrieb ist das doppelt ärgerlich: Der Kunde findet die Website nicht, und er verliert das Vertrauen („Ist das überhaupt noch der richtige Betrieb?“) — erst recht, wenn statt Dachfotos ein Glücksrad erscheint.
Weißt du gerade sicher, wohin der Website-Link in deinem Google-Profil führt? Schick mir den Namen deines Betriebs — ich schaue mir Profil, Website und Bewertungen an und sage dir ehrlich, wo es hakt. Kostenloses Audit anfordern — schriftlich, ohne Telefontermin, ohne Verkaufsgerede.
Befund 3: Ein Drittel der Websites funkt zu Google, bevor jemand zustimmt
Wir haben jede Website so geöffnet, wie ein Besucher es tut — und dabei mitgeschrieben, welche Server die Seite kontaktiert, bevor der Besucher irgendetwas angeklickt hat. Also bevor er im Cookie-Banner „Akzeptieren“ gedrückt hat, falls es überhaupt eins gibt.
Das Ergebnis: 31 % der Websites stellen schon beim Laden eine Verbindung zu Google-Diensten her. Am häufigsten sind das:
- Google Fonts — Schriftarten, die direkt von Google-Servern nachgeladen werden (21 % aller Websites),
- Google Analytics, Tag Manager oder Google-Werbe-Tracking (11 %),
- eingebettete Google Maps, YouTube-Videos oder reCAPTCHA.
Bei Friseuren war der Anteil mit 47 % am höchsten, bei Elektro & SHK mit 23 % am niedrigsten.
Warum das mehr als ein Technik-Detail ist
Bei jeder dieser Verbindungen wird die IP-Adresse des Besuchers an Google übertragen. Das Landgericht München I hat 2022 in erster Instanz entschieden, dass genau das bei Google Fonts ohne Einwilligung des Besuchers gegen die DSGVO verstößt — zumal sich die Schriften auch ohne Verbindung zu Google einbinden lassen — und dem Kläger 100 € Schadensersatz zugesprochen (LG München I, Urteil vom 20.01.2022, Az. 3 O 17493/20). Danach rollte eine Welle von Abmahnschreiben durchs Land. Einige dieser Massenabmahnungen wurden später als rechtsmissbräuchlich eingestuft — an der Grundaussage des Urteils ändert das aber nichts: Wer Besucherdaten ohne Einwilligung an Google schickt, macht sich angreifbar.
Die gute Nachricht: Das ist fast immer schnell zu beheben. Schriftarten lassen sich lokal auf dem eigenen Server ablegen, Karten und Videos lassen sich hinter einen Klick („Karte laden“) legen, und Analyse-Tools lädt man erst nach Zustimmung. Bei einer ordentlich gebauten Seite ist das eine Sache von ein bis zwei Stunden.
Auch ein Cookie-Banner allein löst das Problem nicht: Bei 60 % der auffälligen Websites (104 von 173) war ein Cookie-Tool eingebaut — die Verbindung zu Google lief trotzdem schon, bevor jemand geklickt hatte. Wenn du wissen willst, wie eine DSGVO-saubere Handwerker-Website von Anfang an aufgebaut ist: Das ist bei uns Standard in jedem Website-Paket, mit Servern in Deutschland.
Befund 4: Die Nummer steht da — aber nicht zum Antippen
Für einen Handwerksbetrieb ist der Anruf immer noch der wichtigste Weg, über den Anfragen kommen. Umso erstaunlicher: Bei 48 % der Websites gibt es auf der Startseite keinen Anruf-Link — also keine Nummer, die man antippt und die sofort das Telefon öffnet. Die Nummer steht dann als reiner Text oder als Bild da, oder gar nicht auf der Startseite. Manche Handys erkennen Nummern im Text von selbst — aber verlassen kannst du dich darauf nicht, und eine Nummer im Bild kann kein Handy antippen. Der Kunde muss sie abschreiben oder kopieren. Ein Teil gibt an dieser Stelle auf und ruft den nächsten Betrieb in der Liste an.
Bei anderen Kontaktwegen sieht es ähnlich aus:
- WhatsApp bieten nur 9 % der Websites direkt an, obwohl viele Kunden lieber kurz ein Foto vom tropfenden Wasserhahn schicken als anzurufen.
- Eine Online-Terminbuchung gibt es bei 15 % — mit deutlichem Ausreißer bei den Friseuren (42 %), wo Online-Buchung schon weit verbreitet ist.
Befund 5: Zwei Drittel der Websites liefern keine strukturierten Firmendaten
Immer mehr Menschen fragen nicht mehr nur Google, sondern auch ChatGPT, Gemini oder Perplexity: „Welcher Dachdecker in Backnang ist gut?“ Diese Systeme lesen Websites anders als Menschen. Sie werten unter anderem strukturierte Firmendaten aus — Name, Adresse, Telefon, Öffnungszeiten, Gewerk — in einem festen Format namens Schema.org.
Das Ergebnis: 67 % der Websites liefern diese Daten nicht (gemessen haben wir das gängige Format JSON-LD). Für Google und KI-Systeme ist das ein bisschen wie ein Brief ohne ordentlichen Absender: Man kann ihn lesen, muss sich die Angaben aber selbst zusammensuchen. Dazu kommt:
- 34 % der Startseiten haben keine klare Hauptüberschrift (H1), die sagt, wer man ist und wo man arbeitet.
- Nur 2 % haben einen Bereich mit häufigen Fragen und Antworten — genau das Format, das KI-Systeme am liebsten zitieren.
Eine gute Nachricht gibt es auch: Nur 2 % der Websites sperren KI-Suchdienste per robots.txt aus. Die Tür steht also fast überall offen — es liegt nur zu wenig Lesbares dahinter.
Willst du wissen, ob ChatGPT & Co. deinen Betrieb überhaupt kennen? Ich prüfe gerade für Handwerksbetriebe, ob sie in KI-Antworten auftauchen und was fehlt. Schreib mir kurz — der erste Check ist kostenlos, Antwort innerhalb von 24 Stunden.
Befund 6: Top-Bewertungen, aber kaum Antworten
Beim Thema Bewertungen steht das Handwerk im Rems-Murr-Kreis auf den ersten Blick glänzend da: Der Median liegt bei 4,9 Sternen. Wer im Rems-Murr-Kreis arbeitet, macht offenbar gute Arbeit — und die Kunden sagen das auch.
Auf den zweiten Blick zeigt sich eine Lücke. In einer Stichprobe von 110 Betrieben (mindestens fünf Bewertungen, gleichmäßig über die Gewerke verteilt) haben wir die jeweils bis zu 20 neuesten Bewertungen ausgewertet, insgesamt 1.889 Stück:
- 65 % der Betriebe haben auf keine einzige davon geantwortet.
- Insgesamt wurde nur auf 18 % aller Bewertungen geantwortet.
- Von den schlechten Bewertungen (1–2 Sterne) blieben 73 % unbeantwortet.
- 16 % der Betriebe in der Stichprobe haben in den letzten zwölf Monaten keine einzige neue Bewertung bekommen.
Warum Antworten wichtiger sind als die Sterne
Eine Ein-Stern-Bewertung liest fast jeder neue Kunde — und die Antwort darunter genauso. Fehlt sie, bleibt nur die Kritik stehen. Eine ruhige, sachliche Antwort („Danke für den Hinweis, das war nicht in Ordnung, rufen Sie mich bitte direkt an“) wirkt oft stärker als zehn weitere Fünf-Sterne-Bewertungen. Google selbst empfiehlt Unternehmen ausdrücklich, auf Rezensionen zu antworten. Und wer keine neuen Bewertungen mehr bekommt, wirkt für Kunden wie ein Betrieb, bei dem nicht mehr viel los ist, auch wenn der Kalender voll ist.
Bau & Ausbau: gute Noten, zu wenige Stimmen
Besonders deutlich ist das bei Bau & Ausbau: Hier hat ein typischer Betrieb gerade einmal fünf Bewertungen (Median), zwei Drittel (67 %) haben weniger als zehn. Zum Vergleich: Friseure kommen im Median auf 84, Kfz-Werkstätten auf 55. Dazu kommt, dass 37 % der Bau- und Ausbaubetriebe keine Öffnungszeiten im Google-Profil hinterlegt haben — für Kunden ein Zeichen, dass das Profil nicht gepflegt wird.
Wie du ohne peinliches Nachfragen an mehr Bewertungen kommst, steht im Artikel Google-Bewertungen bekommen als Handwerker.
Befund 7: Fachkräftemangel — aber die Jobs sind versteckt
Kaum ein Thema beschäftigt das Handwerk so sehr wie die Suche nach Mitarbeitern und Azubis. Trotzdem setzen nur 34 % der Websites auf der Startseite einen Link zu Stellenangeboten, Karriere oder Ausbildung. Auf zwei von drei Websites fehlt also der Hinweis, den ein Bewerber, der ohnehin schon auf der Seite ist, sofort sehen sollte: „Die suchen jemanden.“
Am besten sind hier Elektro & SHK und das Lebensmittelhandwerk (jeweils knapp die Hälfte), am schwächsten Bau & Ausbau und Kfz (jeweils gut ein Viertel). Ein einziger gut sichtbarer Link „Wir stellen ein“ mit drei Sätzen zum Betrieb und einer WhatsApp-Nummer für Bewerbungen kostet wenig — und ist für viele junge Leute die niedrigste denkbare Hürde.
Befund 8: Alt, schwer, unverschlüsselt — der technische Zustand
Zum Schluss der technische Teil. Hier ist das Bild gemischt — vieles läuft, einiges ist in die Jahre gekommen:
- 30 % der Websites mit Jahresangabe im Footer zeigen ein ©-Jahr von 2023 oder älter — für Besucher ein Hinweis, dass sich seit Jahren niemand um die Seite gekümmert hat. (Das ©-Jahr ist ein grobes Signal, kein Beweis — manche Seiten aktualisieren es automatisch, andere gar nicht.)
- 27 % der Startseiten laden beim Aufruf mehr als 3 MB, oft wegen großer, unkomprimierter Fotos. Auf dem Handy im Funkloch zwischen Welzheim und Rudersberg ist das spürbar.
- 18 % brauchen im Test länger als 3 Sekunden bis zum vollständigen Laden.
- 12 % öffnen sich unverschlüsselt (http statt https) oder mit ungültigem Zertifikat. Viele Browser zeigen dann „Nicht sicher“ an — kein guter erster Eindruck.
- 8 % haben keine Handy-Version: Die Seite wird auf dem Smartphone als verkleinerte Desktop-Seite angezeigt, man muss zoomen und schieben.
- 13 % haben auf der Startseite keinen erkennbaren Link zur Datenschutzerklärung, 5 % keinen zum Impressum. Beides muss für Besucher leicht erreichbar sein.
Die gute Nachricht: Die Ladezeit liegt im Median bei ordentlichen 1,2 Sekunden, und 92 % der Seiten haben eine Handy-Ansicht. Die Grundlage ist bei den meisten da. Es fehlt eher an Pflege als an Substanz.
Welche Fehler auf Handwerker-Websites am häufigsten Anfragen kosten, haben wir auch unabhängig von dieser Studie in 5 Fehler auf Handwerker-Websites zusammengefasst.
Was die Zahlen zusammen zeigen
Legt man alle Befunde nebeneinander, ergibt sich ein klares Muster:
- Das Google-Profil ist das neue Schaufenster — und es wird am wenigsten gepflegt. Die Betriebe bekommen gute Bewertungen, aber falsche Links, fehlende Öffnungszeiten und unbeantwortete Kritik bleiben stehen.
- Die Websites sind da, aber nicht zu Ende gedacht. Die meisten funktionieren: Sie laden und sind auf dem Handy lesbar. Was fehlt, sind die kleinen Dinge, die aus einem Besucher einen Anruf machen: Anruf-Link, WhatsApp, Jobs-Link, klare Überschrift.
- Datenschutz und KI-Lesbarkeit sind blinde Flecken. Beides sieht man als Betriebsinhaber nicht, wenn man die eigene Seite anschaut. Genau deshalb bleibt es liegen.
Nichts davon braucht eine neue Website für zehntausend Euro. Das meiste ist Pflege — einmal richtig gemacht, dann ein paar Minuten im Monat.
Selbstcheck: 10 Punkte in 15 Minuten
Nimm dein Handy, such deinen Betrieb bei Google Maps und geh diese Liste durch. Jeder Punkt, den du nicht abhaken kannst, ist eine kleine Baustelle:
- Website-Link im Profil antippen — landest du auf deiner eigenen, aktuellen Seite? Nicht auf einem Portal, nicht auf einer Fehlerseite?
- Öffnungszeiten im Profil eingetragen und aktuell (inklusive Betriebsurlaub)?
- Letzte fünf Bewertungen — hast du auf alle geantwortet, vor allem auf die kritischen?
- Neueste Bewertung — ist sie jünger als drei Monate?
- Telefonnummer auf der Website antippen — öffnet sich direkt das Telefon?
- WhatsApp oder ein kurzes Formular vorhanden für Kunden, die nicht anrufen wollen?
- Überschrift ganz oben — sagt sie, was du machst und wo? („Dachdecker in Backnang“, nicht „Herzlich willkommen“)
- Jobs-Link auf der Startseite, wenn du jemanden suchst?
- ©-Jahr, Fotos und Angaben im Footer aktuell? Stimmen Adresse und Telefon mit dem Google-Profil überein?
- Adressleiste im Browser — steht da ein Schloss (https)? Und werden Karten und Videos erst nach einem Klick geladen, nicht schon beim Öffnen der Seite?
Die Punkte 1 bis 4 kannst du heute noch selbst erledigen, ganz ohne Technik. Für 5 bis 10 braucht es meist jemanden, der sich mit der Website auskennt — oder eine Stunde Zeit und das Login zum Baukasten.
Keine Lust, das selbst durchzugehen? Ich mache ein kostenloses Audit für deinen Betrieb und schicke dir eine kurze Liste: was passt, was fehlt, was als Erstes dran ist. Jetzt kurz anfragen — schriftlich, Antwort innerhalb von 24 Stunden, das Audit innerhalb von 48 Stunden. Ich sitze in Winnenden und kenne die Region.
Methodik: So haben wir gemessen
Damit die Zahlen nachvollziehbar sind, hier die Methode im Detail.
Stichprobe. Wir haben Ende September 2026 in Google Maps nach 14 Handwerksgewerken in den sechs Großen Kreisstädten des Rems-Murr-Kreises gesucht (Waiblingen, Fellbach, Schorndorf, Backnang, Winnenden, Weinstadt): Elektriker, Sanitär/Heizung, Dachdecker, Maler, Schreiner, Zimmerer, Fliesenleger, Bauunternehmen/Maurer, Kfz-Werkstätten, Friseure, Bäcker, Metzger, Metallbau/Schlosser, Stuckateure. Berücksichtigt wurden nur Einträge mit Postleitzahl in diesen Städten. Händler, Möbelhäuser, Supermärkte und überregionale Ketten haben wir aussortiert, Filialen desselben Betriebs zusammengefasst. Übrig blieben 806 Betriebe.
Websites. Jede verlinkte Website wurde in einem echten Browser mit Smartphone-Profil geöffnet, so wie ein Kunde sie sieht. Dabei haben wir die fertig aufgebaute Seite ausgewertet (wichtig bei Baukasten-Seiten, die ihre Inhalte erst per JavaScript nachladen) und alle Netzwerkverbindungen protokolliert, die ohne jeden Klick entstehen. Geprüft wurde nur die Startseite. Unterseiten wie „Kontakt“ oder „Karriere“ können Dinge enthalten, die auf der Startseite fehlen — deshalb sprechen wir immer von „auf der Startseite“.
Bewertungen. Aus Budgetgründen haben wir Bewertungen nicht für alle Betriebe ausgewertet, sondern für eine Zufallsstichprobe von 110 Betrieben mit mindestens fünf Bewertungen (22 aus jeder der fünf Gewerkegruppen). Je Betrieb wurden die bis zu 20 neuesten Bewertungen gelesen, 1.889 insgesamt.
Grenzen. Google Maps zeigt je Suche nur die bekanntesten Treffer. Betriebe ohne Website und mit wenigen Bewertungen tauchen dort seltener auf — die Anteile „ohne Website“ sind daher eher eine Untergrenze. Die Werte sind eine Momentaufnahme. Bei kleineren Gruppen (z. B. Kfz mit 53 geprüften Websites) liegt die statistische Unsicherheit bei bis zu ±13 Prozentpunkten. Bei den Gesamtwerten über 553 Websites sind es rund ±4 Prozentpunkte, bei der Bewertungs-Stichprobe (110 Betriebe) rund ±9 Prozentpunkte. Je Suche haben wir die ersten 20 Treffer ausgewertet. Das ©-Jahr haben wir nur bei Seiten ausgewertet, die überhaupt eins angeben.
Datenschutz. Ausgewertet wurden ausschließlich öffentlich zugängliche Informationen. Diese Veröffentlichung enthält keine Namen von Betrieben oder Personen. Veröffentlicht werden nur Zählwerte (Sterne, Datum, ob geantwortet wurde) — keine Bewertungstexte und keine Namen von Rezensenten. Die Rohdaten mit Bewertungstexten wurden nach der Auswertung gelöscht.
Eine Ausweitung auf den ganzen Landkreis mit allen 31 Gemeinden ist geplant. Wenn du als Innung, Kammer oder Redaktion die Zahlen für deine Arbeit nutzen möchtest oder die Auswertung für ein bestimmtes Gewerk brauchst, schreib mir.
FAQ
Wie viele Handwerksbetriebe im Rems-Murr-Kreis haben keine Website? In unserer Studie mit 806 Betrieben aus sechs Städten hatten 26 % keine eigene Website: 17 % gar keine, 8 % verlinken nur auf ein Branchenportal, 1 % nur auf Social Media. Weil Google Maps bekanntere Betriebe bevorzugt anzeigt, liegt der echte Anteil eher darüber.
Welches Gewerk ist am wenigsten digital? Beim Anteil ohne eigene Website liegen Friseure (37 %), Kfz-Werkstätten (37 %) und das Lebensmittelhandwerk (35 %) vorne. Bei Bewertungen fällt dagegen Bau & Ausbau ab: Ein typischer Betrieb hat dort nur fünf Google-Bewertungen.
Ist es wirklich ein Problem, wenn meine Website Google Fonts lädt? Wenn die Schriften beim Aufruf direkt von Google-Servern geladen werden, bevor der Besucher eingewilligt hat, wird seine IP-Adresse an Google übertragen. Das LG München I hat das 2022 als DSGVO-Verstoß gewertet. Abhilfe ist einfach: Schriften lokal auf dem eigenen Server ablegen.
Muss ich auf jede Google-Bewertung antworten? Pflicht ist es nicht, aber es lohnt sich — vor allem bei kritischen Bewertungen. Neue Kunden lesen deine Antworten mit. Eine kurze, sachliche Antwort zeigt, dass du dich kümmerst. Im Rems-Murr-Kreis tun das bisher nur wenige, du fällst also positiv auf.
Warum steht im Google-Profil ein Link auf eine fremde Seite? Entweder ist die eigene Domain ausgelaufen und wurde von jemand anderem gekauft, oder im Profil steht eine fremde Adresse — etwa weil ein Branchenportal sich eingetragen hat oder jemand eine Änderung am Profil vorgeschlagen hat. Prüf den Link regelmäßig und korrigiere ihn im Google-Unternehmensprofil. Ist die Domain weg, hilft oft nur eine neue.
Was bringen strukturierte Daten (Schema.org) für einen kleinen Betrieb? Sie sagen Google und KI-Systemen wie ChatGPT in einem festen Format, wer du bist, wo du sitzt, wann du geöffnet hast und was du machst. Das kann helfen, bei lokalen Suchen korrekt angezeigt und in KI-Antworten genannt zu werden. Der Einbau ist eine einmalige Sache von etwa einer Stunde.
Kann ich die Studie zitieren? Ja, gerne — mit Quellenangabe „Lomageek-Studie Handwerk im Rems-Murr-Kreis 2026“ und einem Link auf diese Seite. Die Grafiken dürfen mit Quellenangabe übernommen werden.
Wird die Studie wiederholt? Ja. Geplant sind eine Erweiterung auf alle 31 Gemeinden des Landkreises und eine jährliche Wiederholung, damit man sieht, was sich verändert.
Fazit
Das Handwerk im Rems-Murr-Kreis macht gute Arbeit — die Bewertungen zeigen das deutlich. Der digitale Auftritt hält damit aber nicht Schritt: Jeder vierte Betrieb hat keine eigene Website, jeder fünfzehnte Link auf eine eigene Website ist kaputt, ein Drittel der Websites lädt Google-Dienste, bevor der Besucher zugestimmt hat, und zwei Drittel der Betriebe in unserer Stichprobe lassen ihre Bewertungen unbeantwortet.
Das meiste davon ist keine Frage des Geldes, sondern der Aufmerksamkeit. Wer heute seinen Google-Eintrag prüft, auf die letzten Bewertungen antwortet und die Telefonnummer auf der Website antippbar macht, liegt danach schon vor der Mehrheit der Betriebe in der Region.
Du willst nicht zur Mehrheit gehören? Ich schaue mir deinen Betrieb an — Google-Profil, Website, Bewertungen — und sage dir ehrlich, was sich lohnt und was nicht. Wenn du eine neue Website brauchst: Die gibt es ab 990 €, als One-Pager in 7 Tagen fertig, DSGVO-konform und für Handwerker gebaut. Projekt starten oder erst mal nur das kostenlose Audit anfordern.